11. Juli: Stolperstein-Verlegung in Rohracker

Stuttgart-Rohracker … 78 Jahre nach Grafeneck wird in Rohracker am Mittwoch, 11. Juli, ein „Stolperstein” für „Euthaniasie”-Opfer Karl Glemser verlegt (9.45 Uhr: Sillenbucher Straße 5). Glemser wurde am 11. November 1890 in Rohracker geboren. Am 11. April 1916 wurde er wegen akuter psychischer Auffälligkeiten ins Bürgerhosital eingeliefert. Von dort kam er zunächst in die Anstalt Winnenthal und lebte zuletzt in der Anstalt Rabenhof bei Ellwangen. Am 17. Oktober 1940 wurde Karl Glemser nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.

Der zweite Stolperstein in Rohracker wird Teil des wohl größten dezentralen Mahnmals der Welt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt seit mehr als 25 Jahren Stolpersteine, bisher mehr als 60.000 in ganz Europa, davon mehr als 800 in Stuttgart. Mit diesem Kunstprojekt will er ganz konkret im lokalen Umfeld an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der „Euthanasie”-Opfer im Nationalsozialismus erinnern.

Die Stolpersteine sind 10 x 10 cm groß, aus Beton gegossen, mit einer Messingtafel versehen und werden in öffentliche Gehwege bündig eingelassen, damit niemand durch sie zu Schaden kommen kann. Und trotzdem heißen sie „Stolpersteine”, denn wer sie im Vorübergehen sieht, soll im Geiste darüber stolpern, kurz innehalten und die Eingravierung lesen. Unter der Überschrift „Hier wohnte…” wird damit direkt vor dem Wohnhaus des Opfers ein Stück
Geschichte in unser alltägliches Leben zurückgeholt. Stolpersteine sollen ein Zeichen der Erinnerung sein, sollen die Opfer aus der Anonymität herausholen, dort, wo sie gelebt haben.

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden sich im Internet unter www.stolpersteine.com und www.stolpersteine-stuttgart.de. Einen guten Überblick zum Projekt kann man bei Wikipedia unter dem Stichwort „Stolpersteine“ nachlesen.

Die Stolpersteininitiative Rohracker kümmert sich um die Opfer, die es auch in Rohracker gegeben hat und ist an Berichten, Aufzeichnungen und Fotos zu entsprechenden Ereignissen und Personen interessiert. Kontakt: Werner Ott, eMail: wernerott@posteo.de oder Barbara Stein, eMail: stein.alt@posteo.de.

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