Erstbezug der Flüchtlingsunterkunft Gorch-Fock-Str. 32 erfolgt

Stuttgart-Sillenbuch … Die ehemalige Dependance des Heidehof-Gymnasiums, die zwischenzeitlich noch der Freien Aktiven Schule als Domizil diente, erlebt auf ihre alten Tage eine Renaissance als Flüchtlingsnotunterkunft. Nachdem das Raumkonzept noch einmal überarbeitet wurde, können jetzt bis zu 64 Asylbewerber einziehen. Die ersten 36 Asylsuchenden sind am Nachmittag des 26. Januar eingezogen – überwiegend Familien aus typischen Flüchtlingsherkunftsländern.

Der Standort an der Gorch-Fock-Straße 32 wurde im Rahmen der fünften Tranche von der Stadt als Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge ausgewählt (WILIH 7.10.2015). Zunächst waren die leerstehenden Schulgebäude für 80 Asylsuchende vorgesehen. Doch nach der Möblierung Ende 2015 stellte sich heraus, dass die früheren Klassenzimmer mit den für Flüchtlingsunterkünfte typischen Stockbetten und Spinden nicht so auszustatten sind, dass den Flüchtlingen auch noch Tische und Stühle für den Aufenthalt am Tag und die Einnahme ihrer Mahlzeiten in die Räume gestellt werden können, wenn es bei 80 Menschen bleiben soll. Die Räume waren einfach zu voll.

Freundeskreis freut sich über „kluge Entscheidung”

Der noch junge Freundeskreis Flüchtlinge Gorch-Fock-Straße setzte sich deshalb seit Abschluss der Möblierung am 29. Dezember dafür ein, die Belegungszahl auf 64 Personen zu senken, um den Menschen wenigstens ein Mindestmaß an Aufenthaltsqualität und Privatsphäre ermöglichen und Fluchtwege freihalten zu können. Ein Mitglied des Kreises entwickelte dafür ein Möblierungskonzept, das der Stadt vorgelegt wurde. Nach intensiven Verhandlungen, unterstützt durch die Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt (AGDW), die die Unterkunft mit ihren Mitarbeitern Michael Schulz und Brigitte John-Onyeali betreut, ging die Stadt am 21. Januar auf den Vorschlag des Freundeskreises ein und versprach eine Reduzierung der Soll-Belegungszahl auf 64 Personen. Die überzähligen Möbel sollten abgeholt werden. Die Erstbelegung der Unterkunft wurde für diese Woche geplant.

Dr. Stefan Kaufmann und Dr. Eva Desseker an der Gorch-Fock-Straße 32 in Stuttgart-Sillenbuch
Der Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Kaufmann besichtigte am Freitag vor seiner Bürgersprechstunde in Sillenbuch mit Dr. Eva Dessecker die Unterkunft an der Gorch-Fock-Straße 32.

Eva Dessecker zeigte sich nach der guten Nachricht erleichtert. Die Sprecherin des Freundeskreises ist davon überzeugt, dass eine menschenwürdige Wohnatmosphäre Grundvoraussetzung für ein harmonisches Zusammenleben der Asylsuchenden ist. Die vorübergehende Unterbringung von Menschen auf engem Raum sei in der momentanen Situation unvermeidbar, ließe sich aber besser oder schlechter organisieren. Der neue Sillenbucher Freundeskreis stehe mit gleichartigen Flüchtlingshilfeorganisationen in Nachbarstadtteilen in Verbindung, berichtet die in Sillenbuch lebende promovierte Anästhesistin. Aus diesem Erfahrungsaustausch habe man bereits viel lernen können. Die positiven Beispiele könnten als Leitfaden dienen, negative Erfahrungen als Warnzeichen. Vor diesem Hintergrund bezeichnet Dessecker die Belegung mit bis zu 64 Menschen als kluge Entscheidung der Stadt. Damit werde man auch der Verantwortung für den sozialen Frieden in Sillenbuch und ganz besonders im Wohnumfeld der Flüchtlingsunterkunft gerecht. Die Sprecherin des neuen Freundeskreises, dem sich bereits um die 50 motivierte Bürger angeschlossen haben, hofft auf eine gute Nachbarschaft mit den Sillenbuchern. „Ich kann gut verstehen, wenn sich Menschen Gedanken machen und Sorgen haben”, meint die 41-jährige Mutter von vier Kindern. „Aber ich erlebe derzeit eine große Motivation bei ganz vielen aus unserem Stadtbezirk, die helfen, spenden und mit anpacken, das gibt mir Hoffnung.“

„Das ist erst der Anfang”

Welche Flüchtlinge nach Sillenbuch kommen werden, aus welchen Herkunftsländern sie stammen und welche Fluchthistorie sie haben, war in der vorigen Woche noch nicht bekannt. Wie bei allen Zuweisungen des Karlsruher Regierungspräsidiums, muss sich die Stadt Stuttgart überraschen lassen. Etliche Mitglieder des Freundeskreises sitzen bereits in den Startlöchern und bereiten einen Begrüßungskaffee, erste Alltagsbegleitungen im Stadtbezirk sowie eine Erstausstattung mit Spenden für die Neuankömmlinge vor. „Doch das ist erst der Anfang”, sagt Eva Dessecker. „Wir werden noch viele helfende Hände und Spenden benötigen. Denn je mehr helfen, um so weniger ist für jeden Einzelnen zu tun.” Wer den Freundeskreis unterstützen möchte, wie und womit auch immer, wird gebeten, sich mit Fragen oder Angeboten an info@freundeskreis-sillenbuch.de zu wenden.

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