Frust unter der Kruste

Von seiner Stadt für ein Projekt auserwählt zu werden, ist in aller Regel Anlass zur Freude. Dass die Stadt Stuttgart, als für ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Stadtteilprojekt angefragt wurde, offenbar wie aus der Pistole geschossen die Antwort „Wangen!“ gab, ist bei genauerer Betrachtung allenfalls ein Hoffnungsschimmer. Denn die Begründung ist alles andere als charmant: In Wangen stehen Läden leer, Wangen hat keinen Plan, Wangen hat ein schlechtes Image.

Mit einem bis ins Jahr 2020 reichenden Projekt soll nun an Verbesserungen gearbeitet werden. Eine erste Diskussion im Bezirksbeirat war – vorsichtig formuliert – nicht gerade von Begeisterung gekennzeichnet. Zu tief sitzt bei den Wangener Lokalpolitikern der Frust. Am Wagen der Landeshauptstadt sind sie bloß das fünfte Rad. Und das bekommen sie immer wieder zu spüren, wenn sie Ideen haben und etwas anstoßen. Dass in Wangen alles 30 Jahre dauert, ist längst ein geflügeltes Wort. Wo andernorts von lähmendem Mehltau die Rede ist, hat Wangen bereits eine Kruste. Sie aufzubrechen, erfordert das ganze Geschick der Stuttgarter Professorin mit ihrem Team, die das Projekt nun Wangener „Akteuren“ nahebringen wollen. Denn: Sollen Ideen nicht irgendwann in einer Schublade verschwinden, müssen sich beizeiten Menschen finden, die sie umsetzen. Auf die Mitarbeiter der Stadtverwaltung sollte man dabei nicht zuvorderst schielen. Die Bürger, Unternehmer und Vermieter selbst werden sich um ihr Wangen kümmern müssen. Sonst bleibt bei allem Bemühen Wangens Image wie es ist – schlecht.

Rundgeschaut … Die Seite 3 Kolumne aus dem WILIH … 25.10.2017

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